Nachhaltigkeit und Ökologie

Nehme ich Worte wie «Nachhaltigkeit» und «Ökologie» als Titel, so sollte ich mir Gedanken machen darüber, was ich damit meine.

Es ist nicht einfach, eine kurze, allgemein verständliche und ebenso gültige Definition zu finden oder sie sich selber zusammen zu schustern.

Quellen dafür gibt es viele: Wikipedia, JungJaeger, Lexikon der Nachhaltigkeit, für Kinder, Spektrum, etc.

Ökologie meint heute und besonders in der modernen westlich-kapitalistischen Gesellschaft, eigentlich und vor allem «Umweltschutz». Ursprünglich umschrieb «Ökologie» jedoch eine Unterdisziplin der Biologie, die die Beziehungen von Lebewesen mit ihrer Umwelt untersuchte. 

Ökologisches, nachhaltiges Verhalten drückt sich in einem möglichst kleinen ökologischen Fussabdruck aus. Der ökologische Fussabdruck bezeichnet die biologisch produktive Fläche, die notwendig ist, um den Lebensstil eines Menschen dauerhaft zu ermöglichen. Die Masseinheit dafür ist der Globale Hektar (gha) und entspricht einem Hektar mit weltweit durchschnittlicher Produktivität. 

Um den ökologischen Fussabdruck zu berechnen werden zwei Flächen zueinander in Beziehung gestellt. Die jedem Menschen durchschnittlich zur Verfügung stehende Fläche wird der durch ihn in Anspruch genommenen Fläche gegenübergestellt. Die in Anspruch genommene Fläche wird nach dem Bedarf des Menschen errechnet, wobei sowohl die Produktion für den Konsum als auch der daraus resultierende Abfall eingerechnet wird.

Einem Menschen stehen derzeit weltweit durchschnittlich 1,71 gha zur Verfügung - er benötigt aber 2.87 gha. 

In Katar (15,7 gha) und in Luxemburg (12,3 gha) leben die Menschen durchschnittlich auf dem weltweit grössten, in Haiti (0,6 gha) und Eritrea (0,5 gha) auf dem kleinsten ökologischen Fussabdruck. In der Schweiz ist der Wert 4,9 gha. 

Dem ökologischen Fussabdruck wird die länderspezifische Biokapazität gegenüber gestellt. Biokapazität minus ökologischer Fussabdruck ergeben Reserve oder Defizit der Biokapazität. In der Grafik sind defizitären Länder rot dargestellt. Auf unserer Route sind nur Bulgarien, Rumänien, Russland und die Mongolei hellgrün eingefärbt, haben also eine geringe Reserve. Die Schweiz ist dunkelrot, hat also ein grosses Defizit (-3,8 gha), was vor allem in der relativ geringen Biokapazität (1.1 gha) aufgrund kleiner produktiver Fläche im Vergleich zur Anzahl Bewohner begründet liegt. Alle anderen Länder auf unserer Reise haben ebenfalls ein Defizit, allerdings nicht ganz so gross wie die Schweiz.

Detaillierte Informationen für alle Länder findest Du hier.

Quelle

Der ökologische Fußabdruck lässt sich auch für jeden einzelnen Menschen berechnen. Hier wird durch das persönliche Verhalten die Differenz zum nationalen Durchschnitt errechnet. Der WWF gibt den Fussabdruck hier in Tonnen CO2 an. Im Zusammenhang mit unserer Reise wäre diese Rechnung nur mit sehr grossem Aufwand möglich, wollte man den Fussabdruck auf die jeweils durchreisten Länder berechnen. Normalerweise bezieht sich die Grösse auf das Land oder die Region, in der man lebt.

Aber ich will den Abdruck ja auch nicht berechnen, sondern möglichst viel tun, um ihn so klein wie möglich zu halten. Zu gross ist er sowieso.

Deshalb betrachte ich hier die Komponenten, die ich und wir beeinflussen können. Dazu zähle ich in unserem Fall die Verbrennung von Dieseltreibstoff, das Verursachen von nicht recylierbarem Abfall und unser Einkaufsverhalten für den täglichen Gebrauch.

Beim täglichen Konsum - das sind in erster Linie Nahrungsmittel - werden wir mit der in der jeweiligen Region zur Verfügung stehenden Auswahl Vorlieb nehmen müssen. Wenn immer möglich werden wir auf Märkten und bei Bauern einkaufen. So ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir regionale Produkte erhalten, relativ gross. Da wir beide gerne Neues ausprobieren und kulinarisch an lokalen Eigenheiten interessiert sind, werden uns typisch europäische Waren nicht fehlen, resp. wir werden sie wenn immer möglich meiden. So verhindern wir, dass die Produkte, die wir kaufen, über weite Strecken transportiert werden mussten. Ich bin mir bewusst, dass das nicht zwingend die bessere Ökobilanz bedeutet, hoffe aber, damit trotzdem einen positiven Beitrag zu leisten.

Quelle, Markt in Usbekistan

Ob wir nach dem Besuch der Mongolei immer noch so interessiert an lokaler Kochkunst sind, kann ich erst sagen, nachdem wir die uns schon im Vorfeld angedrohten Gaumenfreuden genossen haben.

Beim Müll werden wir Verpackungsmaterial vermeiden, wo immer es geht. Gerade in Ländern, in denen die Infrastruktur zur umweltschonenden Entsorgung und zum Recycling (noch) nicht sehr leistungsfähig ist und wo sich womöglich eine unseren ökologischen Ansprüchen gerecht werdende Einstellung zum Umweltschutz noch nicht entwickelt hat, ist die Vermeidung von Plastikabfall oberstes Gebot.

Jeder Plastiksack, den ich z. B. in Indien - wie es sich gehört - in einen Abfallkübel geworfen habe, ist bestimmt über kurz oder lang vom Wind aus einer Deponie heraus geblasen worden und hängt jetzt noch für Jahre an irgendeinem Busch weitab von menschlichen Siedlungen. Oder er wurde auf einem Haufen gleich an Ort und Stelle offen verbrannt.

Quelle, Mülldeponie in der Mongolei

Bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe entsteht CO2 - im ökologischen Fussabdruck wird hier die Fläche Wald gegenübergestellt, die benötigt wird, um dieses CO2 biologisch zu binden. Wie das funktioniert haben wir in der Schule bei der Fotosynthese kennen gelernt…das erläutere ich hier nicht explizit. Das gehört zur Allgemeinbildung.

Wir werden mit unserem Lastwagen auf 100 km etwa 25 Liter Diesel verbrennen. Auf 16’000 km sind das doch immerhin 4’000 Liter.

Aber auch der Strom, den wir für die Vorbereitungen und die Reise selber benötigen (sofern wir ihn nicht selber mit dem Generator produzieren, was sich im Dieselverbrauch niederschlägt), wird als CO2-Produzent berechnet, weil Strom oft oder teilweise durch Verbrennung von fossilen Energieträgern produziert wird. Kohlekraftwerke sind hier die grossen Umweltsünder.

Zum Strom ein kleiner, wissenswerter Einschub: Der Kanton Basel-Stadt, wo ich wohne, mit seinen rund 200’000 Einwohnern wird seit 2009 zu 100% mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen versorgt.

Der Aspekt der CO2-Produktion durch unser Fahrzeug ist wohl unsere grösste Hypothek. Den Verbrauch unseres LKW können wir nicht drosseln. Ein anderes Fahrzeug wollen und können wir nich verwenden. Eine Fahrradtour wäre auch sehr schön und vor allem sehr nachhaltig - aber das ist ein anderes Abenteuer. Eine Möglichkeit wäre auch, aus ökologischen Gründen erst gar nicht auf so eine Reise zu gehen. Oder wir könnten nur eine kleine Reise machen. Wie ich es drehe, die Produktion einer grossen Menge CO2 lässt sich nicht verhindern.

In diesem Fall kommt uns aber die Möglichkeit, CO2-Ausstoss zu kompensieren, entgegen. Durch den Kauf von CO2-Zertifikaten wird erst einmal produziertes CO2 mit nachhaltigen Projekten vornehmlich in Ländern der dritten Welt abgegolten. Das kann bedeuten, dass man die Erhaltung einer bestimmten Waldfläche garantiert oder dass man andere nachhaltige Projekte unterstützt, die eine sehr gute Ökobilanz haben und dadurch das eigene Verhalten kompensieren. Welche Art der Kompensation wir wählen werden, ist noch nicht klar. Sobald ich mehr weiss werde ich berichten.

Ein ökologisch uninteressierter Leser fragt sich vielleicht, warum wir diesen Aspekt nicht einfach fallen lassen und wie alle anderen einfach durch diese Länder brettern, unseren Spass haben und das CO2 CO2 sein lassen. Als Augenwischerei oder Ökemöke-Getue kann er es abtun. Als Spinnerei. Als Furz. Er fährt vielleicht jeden Tag mit dem SUV aus der Vorortgemeinde zur Arbeit in die Stadt. Oder jettet schnell zum Spass über’s Wochenende zum Shopping in irgendeine Metropole. Die Welt geht eh unter - oder eben nicht, weil das mit der Klimaerwärmung gar nicht stimmt. Mit solcherlei Einstellung schafft man es in gewissen Regionen sogar ganz an die Spitze.

Lorenz’ und mein Denken sind anders. Wir wollen nachhaltig leben und reisen. Wir wollen mit einem - auch ökologisch - guten Gewissen reisen. Und wir wollen unsere Gedanken und Einstellungen nicht nur in der Theorie durchdenken, sondern auch in der Realität umsetzen. Unser Verhalten darf einen Vorbildcharakter haben - aber wir wollen weder missionieren noch wollen wir das Verhalten Anderer bewerten. Das geschieht allein durch Tatsachen ohne unser Zutun.

Ein nicht zu vernachlässigender Aspekt ist in unserem Fall die Verwendung eines alten Fahrzeugs. Die Produktion eines Fahrzeugs - wie auch dessen Verschrottung - erzeugt grosse Umwelt«kosten». Diese in der Ökobilanz negativ auftretenden Parameter sind bei einem alten, schon lange gebrauchten Fahrzeug kleiner, was bedeutet, dass wir mit unserem «Muni» wohl die ganze Strecke fahren können ohne von einem virtuell mitfahrenden neuen, heutigen Abgasnormen entsprechenden Lastwagen «eingeholt» zu werden. Also hätte es auch wenig gebracht, einen neuen Lastwagen zu kaufen - ausserdem hätten wir uns das gar nicht leisten können. Dinge lange zu verwenden schont unsere Umwelt in gewissem Mass, auch wenn diese nicht mehr den neusten Normen in Bezug auf Ökologie entsprechen, denn Neuproduktion ist immer mit einer Belastung der Umwelt verbunden, die zuerst kompensiert werden muss.

Vorerst abschliessend möchte ich bemerken, dass es ich mir nicht einbilde, die Welt retten zu können, was diese auch gar nicht nötig hat. Die Erde wird auch weiter bestehen, wenn wir Menschen auf ihr nicht mehr leben können, weil wir alles zerstört haben. Sie braucht uns Menschen nicht, hat sie doch schon Milliarden Jahre vor uns existiert und wir es wohl auch nach uns noch viele Jahre tun. Es geht mir um einen möglichst bewussten Umgang des Einzelnen mit seiner persönlichen Umwelt.

Wenn wir mit unserer Reise und dem dabei gelebten Umweltverhalten einige Wenige erreichen und sie zum Nachdenken anregen, ist schon viel gewonnen. Und ich bin auch der festen Überzeugung, dass die positive Energie, die wir mit unserem Verhalten hoffentlich ins das Ganze hineinbringen, einen - vielleicht nicht messbaren aber deshalb sehr wohl vorhandenen - Impact erreicht.

Quelle