Reparaturen und Wartung

Reparaturen - oder das Beheben von Schwierigkeiten und das Warten des Fahrzeugs - ist ein sehr spannender Themenkomplex, welcher uns bereits vor der Reise beschäftigt. Dies ist für mich das lehrreichste Gebiet im Zusammenhang mit dem Lastwagenfahren...und mit dem vollmechanischen LKW, den wir fahren, wird das eine Freude!

1. Symptom: der Motor nimmt kein Gas an und stirbt fast ab

Anlässlich meiner ersten Fahrt mit dem «Muni» an einem kalten Januartag, kurz nach Erhalt des Lernfahrausweises, tauchten bereits die ersten Schwierigkeiten auf.

Vollkommen unerfahren und mit dem blauen «L» am Heck des Fahrzeugs, setzte ich mich auf einem grossen Parkplatz in der Nähe von Bern zum ersten Mal hinter das Steuer eines Lastwagens. Lorenz wies mich an und ich fuhr erste langsame Manöver, lernte an eine Linie zu fahren, anzufahren und abzubremsen, rückwärts an eine Linie zu fahren und bekam dadurch das Fahrzeug ein wenig in den Griff.

Danach fuhren wir auf Überlandstrassen, über Kreisel und auch eine kurze Strecke auf der Autobahn. Dort liess sich der Lastwagen auch mit bis zum Bodenbrett durchgetretenem Gaspedal nicht dazu bewegen, mehr als 60 und am Ende dann noch knapp 50 km/h zu fahren. Kurz nach der nächsten Ausfahrt blieb der Motor stehen und stotterte dann nur noch, wenn wir ihn wieder zum Laufen brachten.

Jetzt begann das Rätselraten, wo des Problems Ursprung liegen könnte.

Nach einigen Vermutungen und Überlegungen, wie wir den Lastwagen wieder zum Standplatz chauffieren sollten und nach Rücksprache mit Hansjörg, dem Vorbesitzer, war klar: da musste etwas mit der Kraftstoffzufuhr nicht stimmen...am ehesten könnte es Dieselpest sein, die die Leitungen und vor allem die Filter verstopfte.

Es gelang uns mit Ach und Krach das Fahrzeug zurück zum nicht weit entfernt gelegenen Standplatz zu fahren, wir behinderten dabei aber den normalen Verkehr erheblich und zogen eine längere Schlange wohl ziemlich genervter AutomobilistInnen hinter uns her.

Lorenz reinigte später (ich konnte nicht mithelfen, da es mir nicht möglich war, in Bern zu sein) die Kraftstoffleitungen und -filter zusammen mit einem kompetenten Lastwagenmechaniker-Freund.

Es war effektiv die Dieselpest, der sich im Tank gebildet hatte und der die Leitungen und Filter verstopfte.

Damit dieser schlammartige Effekt nicht mehr - oder zumindest nicht schnell wieder - auftaucht, fügen wir dem Diesel seither immer beim Tanken eine genau abgemessene Menge eines Mittels bei, das die Bildung der Dieselpest verhindern soll.

Dieselpest ist - wie man im verlinkten Wikipedia-Artikel nachlesen kann - ein von Mikroorganismen hervorgerufener Schlamm. Sie tritt vor allem bei saisonal benutzten Fahrzeugen mit Dieselmotoren auf, z.B. Motorbooten, Baumaschinen und - eben - Wohnmobilen, die längere Zeit nicht benutzt werden. Die Mikroorganismen ernähren sich von Kohlenwasserstoffen und benötigen zusätzlich Wasser, das in geringem Maße stets im Diesel enthalten ist.

Diesen sehr gute und ausführliche Bericht über diese Reparatur hat Lorenz im Forum der Allrad-LKW-Gemeinschaft geschrieben:

Werte Gemeinschaft

Hier (m)eine Anleitung, wie ich meinen Kraftstofftank infolge Dieselpest oder anderweitiger Verschmutzungen gereinigt hab. Es besteht selbstverständlich KEIN Anspruch auf Vollständigkeit. Als Anfänger fehlen mir ausserdem auch die korrekten Bezeichnungen für gewisse Teile, aber ich lerne gerne dazu...besten Dank für Eure Ergänzungen und Hinweise! 

Zur Ausgangslage: 

Fahrzeug: Iveco 110-17 AW, mit BF6L913, Alutank ca. 500 Liter. 
Problem: Leistungsverlust bei Steigungen und die Tankanzeige bleibt bei 3/4 stehen.

:idee: Erste Erkenntnis: Kraftstoffvorfilter mit schleimiger Masse praktisch komplett verstopft. 
Verdacht: Dieselpest.

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Erste Massnahme: Kraftstoffvorfilter gereinigt und Kraftstofffilter gewechselt.

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Danach kein Leistungsverlust mehr, aber nach ca. 100 km bereits wieder erste schwarze Rückstände im Kraftstoffvorfilter. 

Entscheid: Nach Rückfrage hier im Forum und Euren Meinungen dazu war klar: Reinigung der gesamten Kraftstoffleitung bis und mit Kraftstoffvorfilter inklusive Tank und danach noch eine Nachbehandlung mit Schockdosierung Grotamar 82.

Schritt 1: Restdiesel abpumpen und entsorgen. In meinem Fall (leider noch ganze) 250 Liter.
Schritt 2: Tank demontieren. Dabei die Kraftstoffleitung oder den Rücklauf markieren.

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Schritt 3: Die Arbeit der letzten Werkstatt analysieren... :motz::wack::mad:

:idee: Zweite Erkenntnis: Tankgestänge ist falsch in den Tank geschraubt. 
Grüner Pfeil zeigt die Richtung an, in welche die Kraftstoffleitung und der Rücklauf korrekterweise schauen müssten. 
Roter Pfeil zeigt die Richtung an, wie sie verbaut waren (um ca. 45 Grad verdreht). 

:idee: Dritte Erkenntnis: Tankanzeige bleibt bei 3/4 stehen, weil der Schwimmer (gelber Pfeil) infolge verdreht eingebautem Tankgestänge in einem Loch der Schwallwand hängen blieb. 

Weiter entdeckten wir im Tank ein unmotiviert lose rumliegender Filter und ein schwarzer Dichtungsring.

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:idee: Vierte Erkenntnis: Beim Einbau des Tankgestänges rutschte wohl der Filter irgendwie runter und fiel in den Tank. Dasselbe musste mit dem Dichtungsring passiert sein, welcher zwischen Tankaussenwand und dem Drehkopf des Tankgestänges zu liegen kommt und beim Eindrehen für den nötigen Halt sorgt. 

:idee: Fünfte Erkenntnis: Weil das Tankgestänge nach dem Runterrutschen des Dichtungsrings nicht mehr so richtig fest sitzen wollte, wurde der Drehkopf kurzerhand mit einer fetten Schicht dauerplastischer und kraftstoffresistenter Dichtmasse verklebt.

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:idee: Sechste Erkenntnis: "Dauerplastisch" und "kraftstoffresistent" scheint höchst relativ zu sein, vor allem dann, wenn die Dichtmasse dauernd Dieseldämpfen ausgesetzt ist, denn nun entdeckten wir, dass sich diese teilweise aufgelöst hatte und dem Gestänge entlang in den Tank tropfte. Damit erklären sich die schleimigen Stücke im Kraftstoffvorfilter. 

Schritt 4: Kraftstofftank mit Motorenreiniger einsprühen und mit dem Hochdruckreiniger mehrfach durchwaschen, schütteln und schwenken, bis nur noch glasklares Bergbachwasser rauskommt. 

Schritt 5: Give it a sun-bath bis furztrocken.

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Schritt 6: Kleiner Freudentanz um den blitzblanksauberen Tank aufführen... :blume:

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Schritt 7: Im Tank gefundenen Filter am Ende des Kraftstoffgestänges montieren. Dichtungsring leicht einfetten und beim Eindrehen des Tankgestänges darauf achten, dass dieser richtig sitzt. Falls das Gestänge nach dem Eindrehen zu lose ist, mit einer Zange die mit rotem Pfeil markierten, hervorstehenden Teile leicht nach unten biegen. Dabei darauf achten, dass der Dichtring nicht in den Tank reinrutscht... :p Tank montieren; Kraftstoffleitung und Rücklauf anschliessen (jetzt kommt die Markierung zum Tragen... ;) ) und Kraftstoffanzeige verkabeln.

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Schritt 8: Ein paar hundert Liter frischen Diesel tanken: Dabei sind 2 Schockmomente zu verkraften: :eek: Für den Fahrer jener beim Bezahlen an der Tankstelle und für die Dieselpest jener von Grotamar 82. :eek: Das hab ich beigemischt, weil in den Kraftstoffleitungen, den Filtern, der ESP usw. noch "verpesteter" Diesel vorhanden ist, welcher in den sauberen Tank zurückgelangen kann. 

Schritt 9: Runde drehen...Runde drehen...Runde drehen!!! :spiel::rock::spiel: (Schockmoment schon vergessen... :wub: ) 

Fazit: Die Hauptverschmutzung im Vorfilter rührte vor allem daher, dass sich die Dichtmasse zwischen Tankaussenwand und Tankgestänge auflöste und in den Tank hineintropfte. Da ausserdem der Filter am Tankgestänge komplett fehlte, wurden auch ziemlich grosse Stücke eingesogen. Ob die restliche Verschmutzung und die Ablagerungen im Tank - vor allem auf dem Tankboden - tatsächlich die Dieselpest war, darüber waren sich auch die KfZ-Profis, welche sich die Sache angeschaut haben, nicht einig. Zur Sicherheit wurde der alte Diesel entsorgt und für den Muni gabs eine Frischbetankung inklusive einem Grotamar 82-Shot! 

Gruss und allzeit gut schraub und fahr! 

Lenz :rock:

 

2. Symptom: kein Strom mehr auf dem System

Auf der Fahrt nach Friedrichshafen, als ich einen kurzen Toiletten- und Händewaschen-Halt auf der Raststätte in Pratteln einschob, erloschen beim Versuch, den Motor zu starten, nach einem kurzen Ruckeln alle Lichter am Armaturenbrett. Totaler Stromausfall.

Meine erste Frage an mich selber war: «Was habe ich falsch gemacht???»

Auch jetzt: als erstes die Überlegungen, woran es liegen könnte. Nach Rücksprache mit Lorenz und Hansjörg, die beide zum Glück innert nützlicher Frist erreichbar waren, und nach Prüfung der Spannung von der Batterie ausgehend, fand ich den Fehler relativ schnell: ein zwischen der Batterie und dem abgehenden Plukabel war ein Unterbrecher eingebaut, der seinen Dienst etwas allzu ernst nahm und dauernd unterbrach. Den habe ich ausgebaut und das Kabel mit der im Werkzeugkasten noch vorhandenen Schelle wieder direkt an der Batterie befestigt.

Und der Motor schnurrte wieder im gewohnt beruhigenden Ton.

 

3. Symptom: Anlasser dreht aber der Motor springt nicht an

Von Friedrichshafen heimgefahren war der Tank leer und ich schaffte es spät abends gerade noch auf den temporären Parkplatz, den ich im Hafengebiet besetzen durfte.

Am nächsten Tag füllte ich zwei Kanister à 20 Liter Diesel in den Tank. Mit diesen 40 Litern sollte ich am nächsten Tag locker bis zur ersten Tankstelle kommen.

Dachte ich.

Aber als ich dann den Lastwagen starten wollte, drehte der Anlasser nach dem Vorglühen freudig drauf los - aber der Motor sprang nicht an.

«Eventuell muss man die Leitungen entlüften wenn der Tank leergefahren wurde...das steht im Handbuch», höre ich Lorenz noch sagen.

Also das Handbuch gezückt und nachgelesen. Alles verständlich und anschaulich...aber bis ich den richtigen Ort am Autor gefunden hatte, wo ich etwas losschrauben und dann pumpen sollte! 

Als ich mich in den retten vorderen Radkasten zwängte, sah ich versteckt hinter einem Träger die angesprochene Stelle und konnte dann ohne Mühe die Dieselleitungen entlüften.

...und schon wieder etwas gelernt!