Modifikationen am «Muni» Iveco 110-17

Obwohl das Fahrzeug anfangs 2018, als wir es kauften, in tadellosem und reisefertigem Zustand war, wollten wir einige Anpassungen vornehmen, die uns das Reisen und Wohnen erleichtern sollen. Der bestehende Ausbau ist solide und wertig - Hansjörg hat sich alle Mühe gegeben, ein perfektes Reisemobil zu schaffen. Für die vielen sinnvollen Lösungen, all die ins Fahrzeug und den Ausbau gesteckte Liebe zum Detail und vor allem die grosse Unterstützung gebührt Hansjörg unendlicher Dank!

5. März 2019 | Verstärkung des Anhänger-Bodens für den Motorrad-Hauptständer

Bei bestem Wetter fuhren wir, nachdem wir das Motorrad «vorgeführt» - so nennen wir in der Schweiz das untertänigste Präsentieren seines geliebten und bis in die letzte Ritze fein säuberliche gereinigten fahrbaren Untersatzes vor den kritischen Augen eines gottähnlichen Experten in Werstattscheffkittel bei der kantonalen Fahrzeug- und Schiff-Prüfstation...unsere nördlichen Nachbarn gehen einfach mal schnell zum TÜV - und wieder auf den Tailer verladen hatten, zu einem Platz hinter einem Baumarkt ganz in der Nähe von Lorenz Wohnort. Dort haben wir schon ein paar Mal unter freiem Himmel gebastelt, wir durften den Laster zwischenzeitlich auch dort abstellen und haben mittlerweile ein gutes Verhältnis mit den Mitarbeitenden des Baumarkts.

Das rund 200 kg leichte Motorrad steht auf dem Trailer (Anhänger) auf seinem Hauptständer und wird so festgezurrt. Der Boden des Trailers ist jedoch nur aus gewelltem Blech und daher nicht geeignet, Lasten zu tragen, die auf einer so kleinen Fläche stehen. Entsprechend eingedellt ist der Boden schon. Um ein weiteres Vertiefen und allenfalls sogar Durchbrechen des Bodens zu verhindern entschlossen wir uns, ein dickes, massives Stück Flachstahl unter dem Ständer zu befestigen.

Das Stück fanden wir in einer Schlosserei, mit der Lorenz schon mehrfach Kontakt hatte, weil er Übungsmaterial für seinen Schweiss-Unterricht brauchte. In der Restenkiste fanden wir ein schönes Stück 10 mm dicken Stahl mit 15 cm Breite und genügender Länge, dass wir ihn in zwei Teile zersägt gut gebrauchen konnten. 

Es soll ja halten, also entschieden wir uns für M10-Schrauben in rostfreier Qualität. Die Löcher dafür von Hand zu bohren ist etwas abenteuerlich, ich weiss...aber es ging. Wir verschlissen nur zwei 10er Bohrer, die aber nicht ganz sauber waren, habe ich das Gefühl.

Lorenz freut sich schon darauf, die beiden Platten zusammen zu schweissen!

Zwei Zurrösen erlauben es uns, den Rahmen gleich über dem Hauptständer auf die Unterlage zu zurren, so dass kein Rutschen möglich ist. Auf dem Foto oben sieht man rechts die Vorrichtung zum Festhalten der Ladeschiene, was das Aufladen des Motorrads sehr erleichtert, da wir so mit der Motorleistung langsam die Rampe hochfahren können.

Links und rechts des Motorrads haben je zwei grosse Rako-Kisten mit Deckel Platz, rechts steht noch die weiss-blaue Waschmaschine und links vorne lassen wir Platz für das reparierte Stromaggregat, das wir einem anderen Reisenden nach Tadschikistan mitbringen.

Zur Not könnten noch einmal 4 Kisten auf die unteren gestellt und verzurrt werden. Wir wollen aber gar nicht so viel Material mitschleppen. Auf der anderen Seite sind leere Kunststoffkisten leicht und praktisch...

Nachdem die Arbeit getan war, liessen wir den gepackten Anhänger dort stehen und ich steuerte den «Muni» zur nächsten Station: Mittagessen!

 

12. Februar 2019 | Dekoration Betten und Tisch

Arti-Farti Lorenz hat - wahrscheinlich weil ich meine Briefmarkensammlung vom Wohnungsflohmarkt bereits Pasggi versprochen hatte - in seinem Umfeld alles an Briefmarken zusammengesammelt, was er finden konnte, und dekorierte unsere doch sehr baustellenmässigen Kajütenbetten aus gelben Schaltafeln in einem Anflug von träumerisch-nocturner Kreativität mit Wertzeichen aus aller Herren Länder.

Die Halterung für den halbierten Tisch, die eine fast Tableau-artige Grösse, Form und Präsenz im Shelter-Raum hat, versah er mit einer Fotocollage...ich glaube, er hat etwas von Helmut Netwon gesagt...

Wie man sieht ist Lorenz' untere Koje bereits mit Fotos und Plakaten dekoriert...ich muss mir für den oberen Teil auch was einfallen lassen!

Dezember 2019 | Gestaltung der Karosserie und des Shelters

Wir wollen den Truck grundsätzlich weiss lassen...das ist die perfekte Farbe, zumal wir uns nicht verstecken wollen. Aber trotzdem wollen wir die weisse Lackierung auflockern und aussen am Fahrzeug visuelle Informationen anbringen.

Im Moment schwirren uns drei Dinge im Kopf umher:

  • ein Band von patchworkmässig angeordneten Fotos unserer Welt (Portraits von uns mit Freunden und Familie, Fotos aus der Schweiz und von unseren Hobbies, etc.) an den beiden Seiten.
  • Eine oder zwei grossformatige Landkarten (z.B. alte Schulwandkarten) seitlich auf den Shelter geklebt. Dort können wir dann die gefahrene Route einzeichnen.
  • Unterschriften auf dem Fahrerhaus. Leute, die wir treffen, sollen/dürfen sich mit wasserfestem Filzstift auf der Karrosserie des Fahrerhauses verewigen - die verschiedenen Schriften werden bestimmt ein Hingucker sein.

Die kleinen Fotos werden wir wahrscheinlich auf selbstklebenden Film drucken.

Die Weltkarten kaufen wir im Brockenhaus - Lorenz hat zwei für 10 Franken erstanden.

25. November 2018 | Die Kissen

Lorenz hat die Sitzkissen für die verkleinerten Sitzbänke angefertigt.

Eine einfache Konstruktion und super easy zu wechseln und waschen!

Sitzkissen-Schaumstoff, zwei entsprechend grosse Stücke farbigen Stoffs und ein paar Dezimeter Gaffer-Tape...fertig sind die Kissen.

Ja, es ist unser Ernst, den Bezug nur mit Klebeband zu befestigen! Es lohnt sich doch nicht, hier kompliziert eine passende Hülle zu nähen (nähen lassen), wenn diese eh alle paar Wochen gewaschen werden muss. So sind wir auch flexibel, falls uns auf der Reise ein Stoff besonders gut gefällt und wir ein bisschen Abwechslung in die Sitz-Situation bringen möchten...lol

28. Oktober 2019 | Tröten mit Betätigungsmechanismus

Bei einem Lastwagen, das habe ich als Novize auf diesem Gebiet schnell erfasst, geht es in erster Linie um Sounds. Um Töne.

Am Ton erkennt der Fahrer alle nur erdenklichen Informationen…von gut bis schlecht.

Das Schnurren des Dieselmotors wirkt hypnotisierend.

Und der Gruss per Horn muss kernig schallen.

Eben.

Kernig!

Unsere Hupe ist jedoch weit davon entfernt, einem Attribut wie «kernig» gerecht zu werden..mickrig würde ihr besser stehen. Das ist ein unhaltbarer Zustand, dem aber relativ leicht Abhilfe geschaffen werden kann.

Ein Platz auf dem Dach der Fahrerkabine ist schnell gefunden und die erforderlichen Löcher ohne Probleme mit dem Akkubohrer angebracht. Die Montage ist denkbar einfach, einzig ein Druckluftschlauch muss verlegt werden. Dafür sind im System des LKW bereits Nippel vorhanden, wo ein kleiner Schlauch angeflanscht werden kann.

Das Ventil, das betätigt werden muss, ist relativ klein und nicht sehr stabil, also entschliesse ich mich, in meiner Werkstatt eine Vorrichtung zu bauen, die über das bestehende Ventil gestülpt werden und an dem eine Leine zur Betätigung der Hörner befestigt werden kann.

Also habe ich aus der Restenkiste ein Stück Messing zu einem Rohr gedreht, das entsprechend gebohrt und geschlitzt wurde. Eine hart angelötete Lagerung für einen Hebel und den entsprechenden Hebel in Dreieckform habe ich ebenfalls aus Resten angefertigt. Am Ende wurde das Ganze sandgestrahlt, mit einer abgelängten Zugfeder versehen und muss nun eingebaut, getestet und allenfalls angepasst werden, bevor ich es brüniere und definitiv einbaue.

13. Oktober 2018 | Modifikation Tisch-Bett-Situation

Für Lorenz und mich war jedoch von Anfang an klar, dass wir die Tisch-Bett-Situation verändern wollten.

Als mittlerweile Herren im besten Alter wollen wir eine einfachere und vor allem unkompliziertere Situation schaffen. Wir wollen nicht jedes Mal umbauen müssen, wenn wir uns ein paar Minuten hinlegen wollen…ausserdem haben wir wohl nicht immer gleichzeitig Lust uns hinzulegen.

Statt des grosszügigen Doppelbettes wollen wir quer zur Fahrtrichtung zwei fixe, über einander liegende Betten einbauen und davor eine kleinere Sitzgelegenheit für zwei Personen - plus Zusitzer auf Hockern am Kopfende des Tisches - schaffen.

Der Aufbau, «Shelter» genannt, hat eine praktische Breite von 2 Metern, also können wir mit Standardmatratzen (200 x 90 cm) arbeiten. Im Baumarkt gleich neben dem Sommer-Standplatz unseres Fahrzeugs lassen wir Schaltafeln (das sind die gelben Bretter, die man eigentlich zum Schalen von Beton-Wänden benutzt) auf Mass zusägen.

Ganz im Gegensatz zu den Baumärkten in Stadtnähe - oder zumindest so wie ich das von der Region Basel her kenne - wird dort ganz anders miteinander umgegangen. Kunde und Mitarbeiter reden in einem freundschaftlichen Ton miteinander und der Schnitt kostet ein grosszügiges Trinkgeld und ein herzliches Dankeschön. Man kennt sich und geht freundschaftlich miteinander um.

Die Konstruktion ist denkbar einfach. Die unter den Betten liegenden Teile des Sitzbank, in der sich ein Stauraum befindet, haben wir entsprechend trennen lassen - auch wieder im Baumarkt - und dann das untere Brett auf die Resten der Bank gelegt. Für das obere Bett haben wir einen Rahmen aus 50 x 50 mm Leisten mit relativ vielen Schrauben auf der entsprechenden Höhe befestigt und vor dem Fenster auf der Backbordseite mit einem Pfosten auf dem unteren Brett abgestützt. Auf diesen Rahmen haben wir das obere Bett gelegt, das an der achtern Kante mit einem rund 20 cm schmalen Brett versteift ist.

Die ganze Konstruktion ist leicht auszubauen und die ursprüngliche Situation kann problemlos wieder hergestellt werden. Aus diesem Grund lassen wir die Kissen so wie sie sind und arbeiten sie nicht um. Für zwei Männer auf der Reise quer über den Kontinent ist es perfekt und zweckmässig.

Jetzt müssen wir uns eigentlich nur noch überlegen, wie wir Moskitonetze anbringen.