Xoffs Fahrschulerfahrungen

Mit dem Projekt der Reise gen Osten wird einer meiner unausgesprochenen und im Hintergrund lauernden Träume wahr: ich durfte/musste lernen einen Lastwagen zu steuern.

Um ein Fahrzeug mit einem Gewicht von mehr als 1.5 Tonnen zu steuern benötigt man eine entsprechende Fahrerlaubnis - im Fall unseres «Muni» mit einem Gesamtgewicht von 11 Tonnen ist die Erlaubnis der Kategorie C erforderlich, mit der Lastwagen aller Gewichtskategorien gelenkt werden dürfen. 

Für das Erlangen dieser Fahrerlaubnis müssen sowohl eine theoretische Prüfung über die besonderen gesetzlichen Vorschriften, technischen Voraussetzungen und dergleichen sowie eine praktische Fahrprüfung abgelegt werden. Mit der Fahrschule Schwab in Basel habe ich einen sehr guten Partner für dieses Unterfangen gefunden. Philippe Warpelin, den ich zusammen mit meinen Es-Schwiegereltern vor vielen Jahren an einem Fest kennen gelernt hatte, erwies sich als sehr kompetenten und professionellen Fahrlehrer, der mir das Wichtige zeigte und mich sehr gut an die schwierigen Punkte heranführte.

Das Fahrschulfahrzeug, ein nigelngagelneuer Mercedes Actros, war traumhaft zu fahren. Es verfügte über einen Komfort, den ich so noch nie in einem PW gesehen hatte. Rein von der Technik und dem Fahrgefühl her fühlte ich mich sofort wohl in diesem Cockpit. Beschleunigen und Verzögern lassen sich fast schon automatisch benötigen und das Fahrzeug stellt dem Fahrer jeden nur erdenklichen Luxus zur Verfügung. An die Grösse des Fahrzeugs musste ich mich zuerst gewöhnen. 2.50m breit, 12 Tonnen schwer…das ist ein veritables Monster!

Aber bereits nach wenigen Kilometern fühlte ich mich auf der Strasse wohl, obwohl links und rechts des Fahrzeugs nur wenige Zentimeter bis zum Fahrbahnrand blieben.

Heikel fand ich jeweils, wenn Fahrradfahrer mit mir die Fahrbahn teilten oder wenn schlecht geparkte Fahrzeuge die Breite der Fahrbahn verringerten und gleichzeitig Gegenverkehr vorhanden war. Und die engen Ecken. 

Am Steuer eines Lastwagens sieht man die Strasse von einer ganz anderen Perspektive. Einerseits sieht man viel mehr, was vor allem der erhöhten Sitzposition geschuldet ist. Dadurch vergrössert sich der Überblick massiv und man sieht viel weiter voraus, wie sich der Verkehr entwickelt. Andererseits ist das Gefährt sehr gross und der tote Winkel, der Raum, den man trotz der umfangreichen Spiegelsammlung vor den Fenstern nicht einsehen kann, ist relativ gross. 

Sehr gefallen hat mir von Anfang an die Ruhe und Gelassenheit, die sich am Steuer eines LKW einstellt. Da geht alles etwas gemächlicher und Hast ist eher kontraproduktiv. Man ich sich als Fahrer immer bewusst, dass man ein Verkehrshindernis für die meisten anderen Verkehrsteilnehmer darstellt und kann sich deshalb auch besonders vorsichtig und in engen Situationen auch betont gemächlich bewegen. Da man mit seinem Fahrzeug meist der Stärkste ist, lässt man sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen…und auf grösseren Strecken wird aus den 80km/h, die man fahren darf, eine gemütliche und entspannte Reisegeschwindigkeit.

Die 10 Doppellektionen à 90 Minuten reichten aus, um mir die Beherrschung des Fahrzeugs insoweit zu lehren, dass ich die Fahrprüfung bestehen konnte. Die vorgängige theoretische Prüfung musste ich in zwei Anläufen absolvieren, obwohl ich gedacht hatte, schon das erste Mal sehr gut vorbereitet an die Prüfung gegangen zu sein. Theoretisch kann man sich sehr gut online vorbereiten - die ASTAG, der Schweizerische Nutzahrzeugverband, bietet mit iTheorie eine sehr gute E-Learning-Plattform an. Beim zweiten Versuch klappte es dann.

Nach dem vollautomatischen Fahrschulfahrzeug war das Fahren mit dem handgeschalteten, vollmechanischen Iveco 110-17 ein ganz anderes Gefühl. Martialisch. Mechanisch. Brachial. 

Wie das Spass machte! Natürlich musste ich hier richtig schalten - und das nicht zu knapp! Natürlich ging hier alles nicht so reibungslos und fein wie auf dem Mercedes - aber ich spürte richtiggehend die Zahnräder ineinander greifen, die Differentiale rotieren wenn sich das Allradmonster in Bewegung setzte.

Mit den Kilometern wuchs das Vertrauen, mit der Zeit gingen die Schaltabläufe (zum Glück hat der «Muni» ein sehr gut synchronisiertes Getriebe…so entfällt das Zwischengas beim Schalten) sehr «smooth» und das Fahrverhalten des hochbeinigen Offroad-Trucks wurde mir geläufig. Aber auch nach mittlerweile fast 1000 Kilometern bin ich sehr vorsichtig und behutsam, was bestimmt keine schlechte Angewohnheit ist.